Innovationskultur etablieren – Was die Old Economy von Startups lernen kann (III)

18. Januar 2018, 18:35 :: Allgemein | Corporate Services

Autor: Carolin Gattermann

Was macht die Startups der “New Economy” so innovativ und erfolgreich? Wie können etablierte Unternehmen der “Old Economy” von diesem Wissen profitieren? In unserer Artikelserie beleuchten wir verschiedene Faktoren, welche Startups erfolgreich machen und von denen sich Corporates etwas abschauen können. Im ersten Teil ging es um lösungsorientierte Produktentwicklung, so nah wie möglich am Kunden, um schnell ein perfekt an die Bedürfnisse der Zielgruppe angepasstes Produkt zu entwickeln. Im zweiten Teil beleuchteten wir einige agile Methoden und Werkzeuge, welche bei der Entwicklung und Umsetzung neuer Produkte oder Geschäftsmodelle hilfreich sind.  Im Folgenden geht es darum, welche Möglichkeiten es für ein Arbeiten in innovativer Umgebung gibt und wie eine Innovationskultur im eigenen Unternehmen etabliert werden kann.

Agile Methoden wie Lean Startup, Design Thinking oder Scrum zu verwenden heißt auch, nach dem Trial and Error Prinzip zu arbeiten. Es gilt also unter anderem, eine Fehlerkultur zuzulassen und Fehler als Chance zu sehen, nicht als Misserfolg. Viele erfolgreiche Startups waren mutig genug, ihr Geschäftsmodell einmal komplett umzukrempeln und von vorne anzufangen, weil durch die ständigen Experimente mit dem MVP im Test mit realen Nutzern und Kunden herauskam, dass deren Bedürfnisse durch das Produkt nicht gedeckt waren. Durch diesen sogenannten Pivot des Geschäftsmodells konnten sie schnell ein besseres Produkt auf den Markt bringen, das sie zum Erfolg brachte. Einer der bekanntesten Pivots? Die Podcast-Plattform Odeo. Noch nie gehört? Ganz sicher jedoch, was daraus wurde: Der weltbekannte Nachrichtendienst Twitter.
Die Unternehmenskultur von Startups zeichnet sich durch ein hohes Maß an Vertrauen und Authentizität aus. Dadurch entsteht eine wesentlich höhere Dynamik als durch Befehl und Gehorsam. Traditionellen Unternehmen fehlt es zudem oft an Mut und an Freiräumen. Sie möchten Innovationen steuern, so wie sie ihr Tagesgeschäft managen. Das ist jedoch eine kontraproduktive Herangehensweise. Innovation wird erst entstehen, wenn sich eine Firma traut, in eine völlig freie und offene Umgebung zu gehen und nicht immer wieder versucht, steuernd einzugreifen. Es gilt, Mitarbeiter zu Mitdenkern zu machen. Sie sollen ermutigt werden, ihre eigenen Ideen mit einzubringen. Hierfür ist jedoch eine Vertrauenskultur notwendig, die mit flachen Hierarchien auskommt. Um das gesamte Potenzial der Innovationsteams zu entfalten, sollten sie interdisziplinär zusammengestellt sein. Hierfür ist es notwendig, das traditionelle Silodenken aufzubrechen und der digitalen Generation das zu bieten, was für sie heutzutage wichtig ist. Denn Selbstverwirklichung und Flexibilität im Job zählt in der neuen Arbeitswelt für viele, vor allem Generation Y Vertreter und Millennials, mittlerweile mehr als ein großes Gehalt und hochtrabende Jobtitel.

Arbeiten am Puls der Innovation

Internationale Trendsetter aus dem Silicon Valley wie Google oder Facebook oder das Düsseldorfer Unternehmen trivago sind nicht nur für ihre Produkte weltweit bekannt, sondern auch für die außergewöhnliche Arbeitsumgebung, die sie ihren Mitarbeitern bieten: Agile und interdisziplinäre Teams, ein offenes Raumkonzept, Glastüren statt geschlossene Einzelbüros, nahbare Chefs. Doch auch, wenn der konzerneigene Campus nicht die nötigen Voraussetzungen mitbringt, gibt es Möglichkeiten für ein Arbeiten in innovativer Umgebung. Hier kommen Startup Inkubatoren und Acceleratoren wie der STARTPLATZ ins Spiel. Immer häufiger werden in etablierten Unternehmen interdisziplinäre Innovationsteams zusammengestellt, die für ein Projekt oder die Entwicklung eines neuen Produktes in deren Räumlichkeiten ziehen. Denn wer “out of the box” denken soll, muss sich auch “out of the box” bewegen – dahin, wo Innovation passiert. Jüngste Beispiele aus unserem eigenen Hause sind der Baumarktriese OBI und Tectrion, die direkt am Puls der Innovation im STARTPLATZ inmitten von Startups in verschiedenen Phasen an ihren Projekten arbeiten. In diesem Kontext spielt die gezielte Vernetzung mit oder Förderung von Startups eine wichtige Rolle für den Wissenstransfer, um die eigene Innovationsfähigkeit voranzutreiben. Das Arbeiten in starken Netzwerken bringt den Vorteil mit sich, in jeder Phase des Entwicklungsprozesses bzw. während der Sprints der agilen Produktentwicklung von anderen innovativen und digitalen Köpfen wertvolles Feedback, Inspiration und Impulse zu bekommen.

Die Tugenden der Old Economy

Natürlich können Unternehmen mit mehreren tausend Mitarbeitern, komplexen Organisationsstrukturen und standardisierten Prozessen nur sehr bedingt und eher schwerfällig reagieren. Auch ist das Risiko hier deutlich höher, dass zumindest die Stammkundschaft ein Minimalprodukt zu Beginn nicht akzeptiert. Aber die Veränderungen können auch erst einmal im kleinen Maßstab geschehen, zum Beispiel durch die Schaffung interner Innovationsteams oder vom Tagesgeschäft unabhängige interne Inkubatoren-Projekte. Eine andere Möglichkeit bieten Kooperationen mit Startups, welche mit deutlich weniger Risiko Produkte testen und optimieren und im Umkehrschluss dann das Netzwerk, die

Infrastruktur und die Erfahrung des Konzerns nutzen können.
Traditionelle Unternehmen sind oft besser in der Umsetzung bewährter Geschäftsmodelle, denn sie haben viele Jahre Erfahrung und kennen den Markt. Einen deutlichen Vorsprung haben sie zudem im Verkauf und Marketing. An dieser Stelle können Startups von den Etablierten lernen und profitieren, beispielsweise durch aktiven Austausch und Kooperationen. Aus diesem Grund gibt es immer mehr Initiativen und Programme, welche gezielt Startups und etablierte Unternehmen zusammenbringen, z.B. Patenschaften für Teams eines Startup Accelerators wie dem STARTPLATZ oder Einmieten von Innovationsteams in dessen Räumlichkeiten, um am Puls der Innovation zu arbeiten. Unternehmen, die solche Ansätze verfolgen, werden ihren Mitarbeitern helfen, die eigene Innovationskraft zu fördern und den Herausforderungen der Digitalisierung besser gewachsen zu sein.

Literaturempfehlung

 

 

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