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12 Startups geben Gas: Der STARTPLATZ KI Accelerator NRW geht in die nächste Runde

Intensives Coaching, Netzwerken und unbequeme Fragen: Am STARTPLATZ Köln ist der Startschuss für Batch #3 des STARTPLATZ KI Accelerator NRW gefallen. Zwölf junge Teams gehen dabei in die Vollen.

Jan-Paul-Goetze 4 Min. Lesezeit
Kickoff von Batch 3 im STARTPLATZ KI Accelerator: Gruppenfoto der zwölf Startups, dazu Marvin Linxweiler (staaff), Kira Frings (RequAIre) und Programmmanager Heinrich Rauh

Intensives Coaching, Netzwerken und unbequeme Fragen: Am STARTPLATZ Köln ist der Startschuss für Batch #3 des STARTPLATZ KI Accelerator NRW gefallen. Zwölf junge Teams gehen dabei in die Vollen.

Es war ein grauer Tag im Januar 2026, als Marvin Linxweiler zuhause auf seiner Couch in Köln lag und zufällig ein Video über “Paperclip AI” sah – einer Open-Source-Software, mit der sich mehrere KI-Agenten zu einer Art digitalem Unternehmen zusammenschließen lassen. Zu diesem Zeitpunkt verdiente sich Marvin nebenberuflich als Ghostwriter für LinkedIn-Posts etwas dazu. Doch das Video brachte ihn auf eine Idee: Was wäre, wenn KI-Agenten seine eigene Arbeit übernehmen würden? Zwei Monate lang probierte und tüftelte er herum. Schätzungsweise 200 bis 300 Stunden Eigenleistung hat Linxweiler in seinen Prototypen investiert. Als er seinem Umfeld schließlich das Ergebnis präsentierte, waren die Reaktionen überwältigend: „Alle waren begeistert. Manche haben sogar gefragt, ob sie auch mein Tool benutzen dürfen“, erzählt der heute 35-Jährige. Das war die Geburtsstunde von “staaff”, einem KI-Tool, das personalisierte LinkedIn-Beiträge schreibt. Mittlerweile hat Marvin schon fünf zahlende Kund:innen und möchte nun den nächsten Schritt machen: „Bisher war ich immer alleine im Homeoffice. Jetzt will ich den Austausch mit anderen Gründern suchen.”

Diesen fehlenden Austausch holt Linxweiler seit Mittwoch beim STARTPLATZ KI Accelerator NRW in Köln nach. Am 28. Oktober fiel dort der offizielle Startschuss für den mittlerweile dritten Batch. Insgesamt zwölf KI-Startups nehmen in den kommenden vier Monaten daran teil. Die Teams bestehen aus meistens zwei bis zehn Personen und haben in der Regel auch schon erste zahlende Kundschaft. Im Accelerator warten nun intensive Wochen auf die Teams. Bis Anfang März stehen jede Woche Founder-Sessions, KPI-Meldungen und 1:1-Termine auf dem Kalender. Der Fokus liegt dabei unter anderem auf den Bereichen Sales und Marketing. Aber die Startups durchlaufen zum Beispiel auch ein Pitch-Training. Seinen krönenden Abschluss findet das viermonatige Programm schließlich beim Demo Day, bei dem die Gründungsteams einer Investment-Jury ihre Geschäftsidee präsentieren und ihr Können beweisen müssen. Anschließend werden die Startups im Idealfall als „AI-first“-Unternehmen entlassen, haben ihre Umsätze vervielfacht und deutlich mehr Kundschaft.

Das will auch Teilnehmerin Kira Frings mit ihrem Startup “RequAIre” erreichen. Ihre Geschäftsidee entstand im Oktober 2024 bei einem Hackathon am STARTPLATZ in Köln. “RequAIre” ist eine KI, welche die Anforderungsanalyse für Softwareprojekte übernimmt. Sie stellt genau die Rückfragen an die Kundschaft, die sonst das Entwicklungsteam stellen würde. So gibt es schon im Vorfeld eine klare Vorstellung davon, wie die Software aussehen soll, bevor die eigentliche Umsetzung des Projekts überhaupt beginnt. Frings erzählt, wie sehr sie die Unabhängigkeit in der Selbstständigkeit schätzt, doch das Leben als Gründerin ist nicht immer leicht: Vor allem die Teamfindung verlief etwas holprig, denn nicht alle hätten in der Anfangsphase gleich viel Engagement gezeigt. Dazu kam die finanzielle Unsicherheit. Diese spielt nun zumindest für die nächsten Monate eine kleinere Rolle, denn Frings hat mit ihrem Team ein Gründerstipendium erhalten. Doch auch im aktuellen Tagesgeschäft bleibt die Achterbahnfahrt oft nicht aus: „Kundenzusagen und Absagen wechseln sich ab – das sorgt für eine enorme emotionale Volatilität“, gibt Frings zu.

Im KI Accelerator NRW werden die Gründungsteams von Mentor:innen sowie Fachleuten eng begleitet. Einer von ihnen ist Programmmanager Heinrich Rauh. Er kennt die Startup-Welt bestens: Rauh verließ seine operative Rolle in seinem alten Unternehmen “Planted”, welches mittlerweile zu einer der größten Player in der Nachhaltigkeitsbranche aufgestiegen ist. „Meine Stärke liegt im Aufbau von Startups“, sagt Rauh über sich selbst. Den Teams im aktuellen Batch kann er vor allem eines versprechen: Neben dem intensiven Coaching bekommen sie exklusiven Zugang zu einem riesigen, gewachsenen Netzwerk aus erfahrenen Köpfen, Branchenkundigen und Investierenden. Sodass sich die Teams optimal auf kommende Finanzierungsrunden und den großen Demo Day vorbereiten können.

Dass der STARTPLATZ das Fundament für große Unternehmensgeschichten legen kann, zeigt der Blick in die Vergangenheit. Das neue Programm mit KI-Fokus gibt es zwar erst seit einem Jahr, doch aus den früheren Accelerator-Programmen gingen sehr erfolgreiche Namen hervor. Das Vorzeigebeispiel ist “Cognigy” aus dem elften Batch von 2016. Das Startup für KI-basierte Dialogsysteme wuchs von 14 auf rund 250 Mitarbeitende an und wurde schließlich für 840 Millionen Euro verkauft. Auch “deepset”, ein Startup für Large Language Models, sammelte rund 40 Millionen Euro ein und vergrößerte das eigene Team auf 80 Köpfe.

Solche Zahlen sind für die Teilnehmenden von Batch 3 noch weit weg. “staaff”-Gründer Marvin Linxweiler wünscht sich deswegen für die kommenden Monate vor allem „unbequeme Fragen und echtes Sparring“. Denn eine Künstliche Intelligenz eigne sich als Sparringspartner nur bedingt. Linxweiler möchte während der Zeit beim KI Accelerator NRW mit seinem Unternehmen aber auch weiter wachsen. Wenn alles nach seinem Plan läuft, soll sich in zwei bis drei Jahren sein großer Traum erfüllen: Die Option, mit einem Exit dauerhaft finanziell unabhängig zu werden.

Wie es für die zwölf Startups weitergeht, zeigt der STARTPLATZ KI Accelerator NRW auf LinkedIn und Instagram.

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