Mehr Zeit für Pflegebedürftige und Angehörige - Interview mit Michael (CFO) von DeinePflege.de - STARTPLATZ

Mehr Zeit für Pflegebedürftige und Angehörige – Interview mit Michael (CFO) von DeinePflege.de

30. Oktober 2020, 09:31 :: Accelerator | Community | Erfolgsgeschichten | News

Autor: Arne Gonschor

Pflege zählt zu einem der meistdiskutierten und wichtigsten Themen unserer Zeit. Was viele nicht wissen: Aktuell werden in Deutschland knapp die Hälfte aller Pflegebedürftigen zu Hause von ihren Angehörigen gepflegt. Diese schwierige Zeit wird hierzulande – meist schon ab dem Moment der ersten Antragstellung – von diversen bürokratischen Hürden begleitet. Das Startup DeinePflege.de will genau da ansetzen und Familien bei dieser Aufgabe entlasten. Statt der üblichen drei bis vier Wochen brauchen Nutzer:innen auf der Website gerade einmal 15 Minuten für den Pflegeantrag. Die drei Gründer Michael, Armando und Markus wollen mit DeinePflege.de in Zukunft aber noch weiter gehen und sich als täglicher digitaler Begleiter in der Pflege etablieren. Wir haben uns mit Michael (CFO) getroffen und mit ihm über Vertrauen als oberstes Gebot, die Zukunft der Pflege und die Zeit im STARTPLATZ Accelerator gesprochen.

 
STARTPLATZ: Worum geht es bei DeinePflege.de?

Michael: Die Idee ist allen Angehörigen und Pflegepatient:innen die Organisation ihrer Pflege zu vereinfachen. Diese ist nämlich unglaublich herausfordernd und wirft viele Fragen auf: Wer bezahlt das eigentlich? Wie funktioniert das mit der Versicherung? Auf was habe ich Anspruch im Bereich der Pflege? Wie funktioniert das mit dem Pflegedienst? Unser Wunsch ist daher, den Angehörigen so viel Zeit wie möglich zurückzugeben. Das erste Problem, das uns in vielen Gesprächen nahegelegt wurde und welches wir heute schon lösen ist die Beantragung des Pflegegrads. Aber auf lange Sicht wollen wir in allen Bereichen der Pflege Arbeit abnehmen und Angehörigen helfen.

 
STARTPLATZ: Habt ihr drei einen Pflegehintergrund oder woher stammt euer Interesse am Thema?

Michael: Wir alle drei haben aus verschiedenen persönlichen Gründen schon immer eine Affinität zum Thema Pflege. Ich kenne die Situation Pflegebedürftiger aus meiner Zeit als Rettungssanitäter, Armando war selber schon einmal in der Situation, gepflegt zu werden. Und wir alle wissen, wie emotional das ganze Thema ist und dass in dieser Zeit keine Energie für komplizierte Bürokratie vorhanden ist. Letztes Jahr haben wir uns dann für ein Wochenende zusammen eingeschlossen und gemeinsam überlegt, wie wir Familien und Angehörigen helfen können. Dabei kamen wir dann auf die Idee für DeinePflege.de.
 

Kennwerte zur Pflege in Deutschland aus dem Jahr 2019


 
STARTPLATZ: Wie sieht aktuell der Prozess der Pflegebeantragung in Deutschland aus?

Michael: Im ersten Schritt suche ich erstmal nach dem richtigen Formular auf der Homepage meiner Versicherung. Wenn ich Glück habe sind das Formular 3 Seiten lang, wenn ich Pech hat es sogar 14 Seiten. Zusätzlich sind diese Formulare alle unterschiedlich und in einer komplexen Weise formuliert. Wenn ich es doch schaffe den Antrag auszufüllen, schicke ich danach alles mit der Post weg. Digital ist das nicht gerade. Angehörige und Patienten brauchen teilweise bis zu vier Wochen für die ganze Recherche, das Ausfüllen und den Versand des Antrags.

 
STARTPLATZ: Und wie löst DeinePflege.de dieses Problem?

Michael: Über unsere Seite kann man heute komplett digital einen Pflegeantrag stellen. Dank unserer Online Strecke dauert das Ganze gerade mal 15 Minuten. Dabei fragen wir in verständlicher Sprache die richtigen Informationen ab und überführen diese automatisiert in das Formular der jeweiligen Versicherung ein. Die Antragsteller können den Antrag digital signieren und schon wird der Antrag – nach einer kurze Prüfung – von uns an die zuständige Versicherung versendet.
 
STARTPLATZ: Die Angehörigen vertrauen euch sensibelste Daten an. Wie steht ihr zum Thema Datenschutz?

Michael: Vertrauen ist für uns das Thema Nummer Eins und absolut essenziell. Wir arbeiten mit sensiblen, persönlichen Daten und da gibt es für uns überhaupt keinen Raum für Fehler. Markus und Armando kennen sich aufgrund ihrer langjährigen Erfahrung unter anderem bei IBM und dem Fraunhofer-Institut bestens mit Themen wie Datenschutz, Datenarchitektur oder auch der digitalen Patientenakte aus und garantieren unseren Nutzer:innen absolute Sicherheit.

 
STARTPLATZ: Was würdet ihr euch von bspw. politischer Seite wünschen im Bereich der Pflege?

Michael: Zum einen werden Menschen immer älter, zum anderen wollen sie so lange wie möglich zu Hause bleiben, was ganz natürlich ist. Das Problem dabei ist, dass es bereits heute viel zu wenige Pfleger:innen gibt, um die immer größere Nachfrage nach Pflege zu decken. Was auch mit ein Grund ist, warum knapp 2/3 der ambulanten Pflegepatienten aktuell von ihren Angehörigen versorgt werden. Obwohl diese mit der Pflege und ihrer Organisation oft total überfordert sind. – Um dieser Herausforderung zu begegnen, muss sich das Pflegesystem in Deutschland nachhaltig verändern. Von der Politik fordern wird Mut und den Willen neue Wege in der Pflege einzuschlagen, um gemeinsam die Situation für alle Beteiligten zu verbessern.

 
STARTPLATZ: Ihr wart die letzten vier Monate Teil des STARTPLATZ Accelerator. Was habt ihr in dieser Zeit gelernt?

Michael: Wir können glaube ich kaum zufriedener sein mit den letzten 16 Wochen. Besonders das Thema Netzwerk war und ist für uns unglaublich wertvoll. Sei es jetzt zu anderen Unternehmen, den Mentoren oder auch Menschen, die in der gleichen Situation sind wie wir. Aufgrund Corona hatten wir diesen Austausch davor nicht so stark. Zusätzlich war es aber auch diese Bühne, auf der wir immer wieder Pitchen durften, um von erfahrenen Leuten wie Jana, Lukas oder verschiedenen STARTPLATZ Alumni und Mentoren wertvolles Feedback zu bekommen.

 
 
 

„Wir bei DeinePflege.de wissen, dass das Thema Pflege unglaublich persönlich und menschlich ist, das ist uns ungemein wichtig. Trotzdem wollen wir auch die Brücke zur Technologie schlagen und mit digitalen Lösungen, die Situation in der Pflege für die Betroffenen verbessern.“

 
 
 
STARTPLATZ: Wie wichtig war für euch der direkte Austausch und Vergleich mit den anderen Accelerator Teams?

Michael: Wir haben uns bereits in der ersten Phase jeden Mittwoch zur sogenannten Foundersession getroffen. Dort tauschen sich alles Startups eine Stunde lang aus und man spricht gemeinsam über Herausforderungen und neue Lösungsansätze. Für die zweite Phase, im etwas kleineren Kreis, war das eigentlich nicht mehr so vorgesehen. Wir haben das Ganze trotzdem unabhängig vom Programm organisiert und gemeinsam mit Marius den so essenziellen Austausch aufrechterhalten, einfach, weil wir über die Zeit immer enger zusammengewachsen sind.

 
STARTPLATZ: Wie sehen eure Pläne für die Zukunft aus?

Michael: Wir wissen, dass das ganze Thema Pflege unglaublich persönlich und menschlich ist, das ist uns ungemein wichtig. Trotzdem wollen wir gerne auch die Brücke zur Technologie schlagen. Mit dem Menschen im Fokus wollen wir peu a peu die individuelle Pflegesituation besser verstehen und darauf aufbauend frühzeitig Empfehlungen geben können. Zum Beispiel zu Themen wie dem richtigen Zeitpunkt der Antragstellung, zur Erhöhung der Pflegestufe oder zum Pflegegeld allgemein. Mit diesen Empfehlungen und weiteren Funktionen, wie z.B. die automatische Bestellung von Pflegematerial, wollen wir immer mehr und besser den Menschen helfen, die sich in ihrer Pflegesituation so alleingelassen fühlen.
 

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