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- Hamidreza Hosseini
24. September 2026, 09:59 :: Allgemein
Autor: Gastautor
Für Startups ist das Corporate Design fast noch wichtiger als für etablierte Unternehmen. Die visuellen Elemente sind der erste Kontaktpunkt potenzieller Kunden und für einen gelungenen ersten Eindruck gibt es bekanntlich keine zweite Chance. Gleichermaßen müssen speziell Startups vom ersten Moment an Wiedererkennungswert schaffen und Professionalität kommunizieren. Mit begrenzten Ressourcen ist das nicht unmöglich, setzt aber eine klare und strukturierte Vorgehensweise voraus.
Das Logo ist das Gesicht der Marke, aber nicht automatisch das ganzheitliche Branding. Selbiges entsteht erst durch eine konsistente Markenpräsentation mit einem Corporate Design, das einen 360-Grad-Ansatz verfolgt. Corporate Design und Branding sind dabei keine Synonyme, aber beides zu nutzen lohnt sich. Nach aktuellen Lucidpress- und Marq-Studien resultiert eine über alle Kanäle hinweg konsistente Markenpräsentation durchschnittlich in circa 23 % mehr Umsatz – Tendenz seit Jahren steigend.
Ein Corporate Design schafft Wiedererkennbarkeit, kommuniziert Professionalität, schafft Vertrauen und sorgt in Form eines einheitlichen visuellen Erscheinungsbilds über alle Kanäle hinweg für Konsistenz. Dem übergeordnet steht die Corporate Identity, die auch das Corporate Design umfasst, zugleich aber auch Aspekte wie gelebte Werte, die Unternehmenskultur und die Kommunikation. Branding wiederum ist der Begriff, der für den kontinuierlichen Markenaufbau und die Markenpflege genutzt wird. Das Branding sorgt dafür, dass sich in den Köpfen der Zielgruppe der gewünschte Effekt verankert.
Der erste Schritt muss die Definition einer klaren Strategie sein. Aus dieser leiten sich zwangsläufig Erkenntnisse ab, die das Corporate Design später aufgreifen und kommunizieren muss.
Gründer und Startups sollten sich daher zunächst dem Fundament widmen:
Nach dem Fundament richtet sich der Blick stärker auf das Visuelle in Form des Corporate Designs. Das Herzstück dessen ist das Logo mitsamt seinen Varianten, quasi das Aushängeschild der Marke. Gleichermaßen sollten daraus Variationen geschaffen werden, zum Beispiel in Form einer Bildmarke oder einer kompakten Variante und Versionen für dunkle sowie helle Untergründe haben. Unabhängig davon ist auf skalierbare Dateiformate zu achten; das Logo muss selbst in einer sehr kleinen Ausführung klar erkennbar sein.
Als Nächstes folgt die Wahl der Farben und der Typografie. Die Farbpalette wird über eine Primärfarbe, ergänzende Farben, neutrale Farben und gegebenenfalls noch einige Akzente definiert. Das ist gewissermaßen der visuelle Werkzeugkasten, aus dem sich die Designer und Grafiker des Unternehmens später bedienen können. Hierbei ist an einige Grundregeln zu denken: So ist auf Kontraste zu achten, außerdem sollte man sich auf höchstens zwei Schriftfamilien beschränken. Die Schriften werden entsprechend für Überschriften, Fließtexte und digitale Anwendungen definiert. Gründer sollten zudem frühzeitig an damit verbundene Lizenzbedingungen und die Verfügbarkeit von Webfonts denken.
Ihren individuellen Charakter erhält die Marke durch weitere Gestaltungselemente und die Bildsprache. Es ist vorab festzulegen, ob und, falls ja, welche Fotos, 3D-Darstellungen und Illustrationen genutzt werden. Farbgebung, Bearbeitungsstil, Motive und Perspektiven müssen kohärent und konsistent sein. Um die Authentizität in den frühen Tagen des Startups nicht zu gefährden, sollte auf austauschbare und gestellte Stockfotos verzichtet werden. Werden bestimmte Elemente, Formen oder Raster zusätzlich aufgenommen, ist wie bei allen anderen Elementen darauf zu achten, dass diese allesamt dem Wiedererkennungswert förderlich sind.
Das strategische Fundament und die Grundzüge des Corporate Designs stehen und im nächsten Schritt geht es um die praktische Verwendung.
Dazu zählt die Nutzung auf der Website oder auf einzelnen Landingpages. Die Website ist mindestens die digitale Visitenkarte des Startups; einzelne Landingpages können zum Beispiel für Ad-Kampagnen erstellt werden. Im Pitch Deck muss das Design ebenfalls aufgegriffen werden, um gegenüber Investoren, Kunden, Partnern und Bewerbern eine einheitliche Außendarstellung zu gewährleisten. Für Social-Media-Kanäle können Vorlagen bereits im Voraus erstellt werden. Um keine Ressourcen zu vergeuden, sollten sich Gründer nur auf die Kanäle fokussieren, die tatsächlich zum Einsatz kommen. Geschäftsdokumente wie Angebote und Rechnungen, digitale Produkte und physische Anwendungen sollten ebenfalls im Corporate Design gestaltet sein. Auch dafür können teilweise bereits passende Vorlagen erstellt werden, um Ressourcen schonend einzusetzen.
Die Ressourcen, ob finanzielle oder personelle Mittel, sind am Anfang meist knapp bemessen. Da empfiehlt es sich, beides eher fokussiert einzusetzen. Welche Einsatzmöglichkeiten zu einem späteren Zeitpunkt denkbar sind bzw. sparsam genutzt werden können, sind individuell festzustellen. Denkbar sind beispielsweise:
Für Startups empfiehlt sich der Ansatz des Minimum Viable Corporate Designs. Man deckt zunächst bewusst nur die Basics und die wichtigsten Anwendungen ab. Das lässt sich in den Anfangstagen zunächst einmal auf der Website, in Präsentationen oder auf Social-Media-Kanälen testen. Vorlagen sollten grundlegend immer erneut verwendbar sein und alle genutzten Logos, Schriften und Farben gehören intern transparent dokumentiert. Dafür wird am besten eine verantwortliche Person im Unternehmen bestimmt. Erweiterungen finden erst statt, wenn die Basics schon überzeugten und/oder neue Kanäle, Zielgruppen oder Produkte und Dienstleistungen hinzukommen.
Studien belegen, dass rund 75 % der Konsumenten eine Marke allein an ihrem Logo erkennen können. Das unterstreicht nicht nur die Bedeutsamkeit des Logos, sondern ebenso des übergeordneten Corporate Designs. Für den Aufbau eines Startups ist das essentiell, denn es schafft im Idealfall einen wichtigen Vertrauensvorschuss, der bei neu firmierten Unternehmen umso wichtiger ist – ebenso wie der dadurch erzielte Wiedererkennungswert.