Corporate Innovation - Unser Business Club Partner GAG im Interview

Corporate Innovation – Unser Business Club Partner GAG im Interview

21. Oktober 2021, 15:27 :: Aktuelle Trends | Allgemein | Corporate Services

Autor: Fabian Schirmbeck

Innovationen und Digitalisierung spielen auch in traditionsreichen Unternehmen eine große Rolle. Darauf legt auch das Unternehmen GAG Immobilien AG viel wert, welches seit mehr als 100 Jahren im Immobiliengeschäft tätig ist. Vermieten, verkaufen, verwalten – die GAG ist auf vielen Feldern aktiv und gut aufgestellt. Wir haben uns mit den vier Innovationsmanagern Peer Henke, André Hofmann, Amalia Gür und Jerome Stubenrauch der GAG getroffen und uns darüber unterhalten, wie das Unternehmen an solche Themen herangeht und diese meistert.

STARTPLATZ: Wer ist GAG Immobilien überhaupt und was macht ihr eigentlich genau?

André Hofmann: Die GAG ist Kölns größte Vermieterin mit dem Hauptfokus auf der Errichtung eigener Gebäude und der anschließenden Vermietung. Teilweise kaufen wir auch Gebäude zu oder verwalten Wohnungseigentumsgesellschaften. Wir haben ca. 45.000 Wohnungen mit ca. 100.000 Mieter:Innen. Seit über 100 Jahren ist unser Auftrag den Menschen in Köln ein Dach über dem Kopf zu bieten. Dabei liegt der Fokus auch stark darauf, Wohnraum zu sozial angemessenen Bedingungen anzubieten. Wir versuchen immer einen Dreiklang aus Ökonomie, Ökologie und sozialer Verantwortung zu wahren. Wir sind ein sehr traditionsreiches Unternehmen mit ca. 600 Mitarbeiter:Innen. Wir legen aber auch den Blick auf die aktuellen Herausforderungen, wie zum Beispiel Klimaschutz, sozialer Wohnungsbau oder Digitalisierung. Und das ist der Punkt, an dem wir vier, die heute hier sind, mit ins Spiel kommen. Seit ca. 1,5 Jahren sind wir bei der GAG als Innovationsmanager tätig. Diese Stellen wurden von der GAG geschaffen, um den Herausforderungen der Digitalisierung zu begegnen. Das heißt, wir beschäftigen uns alltäglich mit Digitalisierungs- und Innovationsthemen. Wir verbringen ca. die Hälfte unserer Zeit als Vierer-Team und arbeiten an unternehmensweit übergeordneten Themen rund um Digitalisierung und Innovation. Und die andere Hälfte der Zeit haben wir Fokus-Themen in unseren jeweiligen Hauptabteilungen. Wir alle vier kommen aus unterschiedlichen Branchen – ich zum Beispiel aus der Energieversorgung oder Jerome aus dem Bankenwesen. Wir bringen auf diese Art einen externen Blickwinkel mit in die GAG ein und versuchen so Veränderungen ins Unternehmen zu tragen.

Dreiklang Ökonomie Ökologie Soziale Verantwortung

STARTPLATZ: Wie einfach lassen sich Innovationen in ein Unternehmen mit viel Tradition einbringen?

Peer Henke: Aus unserer Sicht sind Tradition und Innovation kein Widerspruch. Es ist immer gut zu wissen, wo man herkommt und was man in der Vergangenheit schon alles geschafft hat. Wir nehmen aber oft wahr, dass Traditionsbewusstsein als bremsende Kraft dargestellt wird. Für uns ist es wichtig, Respekt und Verständnis gegenüber den Dingen aufzubringen, die historisch gewachsen sind. Zudem sind Organisationen immer heterogene Gebilde. Das heißt, die Innovationskraft einzelner Bereiche ist immer unterschiedlich ausgeprägt. Und unsere Erwartungshaltung darf dementsprechend nicht sein, dass immer alle sofort hundertprozentig überzeugt von allem sind. Damit Strukturen und Prozesse später aber auch skalierbar sind, muss man dem Individualisierungswunsch und den Gewohnheiten der Fachbereiche auch manchmal mit einer gewissen Bestimmtheit entgegentreten. Wir als Treiber müssen uns also darüber bewusst sein, dass vermeintlich kleine Schritte aus Innovationssicht oft schon ziemlich große Schritte für tradierte Unternehmen sind. Für uns ist es daher die Hauptaufgabe, den Überblick über diese vielen kleinen Strohfeuer zu behalten, damit man die Balance zwischen Unterforderung und Überforderung der Organisation halten kann. Letzten Endes hängt es dann eben auch davon ab, wie viel Überforderung man zeitweise einer Organisation zumuten kann. Das hängt auch davon ab, wie hoch der Veränderungsdruck von außen ist. Wir vier empfehlen deshalb auch stabilen Unternehmen, über den Tellerrand zu schauen, damit man später eben nicht in Zugzwang gerät. Voraussetzung für rechtzeitige Anpassungen sind die Erkenntnis und die Unterstützung durch gewisse Schlüsselpersonen oder Unternehmensbereiche. Grundsätzlich muss also festgehalten werden: Innovation ist nie ein Selbstzweck, sondern ein Selbsterhaltungszweck für Unternehmen. Es funktioniert allerdings nur, wenn die Menschen auch echte Mehrwerte erkennen. Und das passiert auch in traditionsbewussten Unternehmen.

Tradition Innovation

STARTPLATZ: Welche Trends lassen sich aktuell im Immobiliengeschäft erkennen und warum solltet ihr euch mit solchen Trends beschäftigen?

Amalia Gür: Wir erkennen zwei starke Bereiche, die von Bedeutung sind. Dies ist zum einen die Digitalisierung und zum anderen der Klimaschutz. Die Digitalisierung spielt in verschiedensten Ebenen im Unternehmen eine große Rolle. Beispielsweise ist Building Information Modeling für uns ein Trend, mit dem wir uns auch in der Praxis beschäftigen. Bei der BIM-Methode stehen Modelle und Informationen im Fokus. BIM findet Einzug sowohl in die Planungs- als auch in die Ausführungs- und Bewirtschaftungsphase. Wir beschäftigen uns mit der Thematik, weil wir insbesondere unsere eigenen Mehrwerte für die GAG erkennen wollen. Zum anderen merken wir auch, dass sich die Branche umstellt und wir mit unseren Partnern effiziente Methoden nutzen möchten. Im Bereich Wohnungsbau ist BIM noch recht neu, dennoch streben wir digitale Zwillinge und die Sammlung von Daten schon während der Planungsphase an, um diese in weiteren Phasen weiterentwickeln zu können. Daten spielen überall eine große Rolle und genauso bei uns in allen Abteilungen. Unsere Entscheidungen möchten wir gerne datenbasiert treffen und dazu soll, unter anderem, auch die BIM-Methode helfen. Neu dazugekommen ist das Thema BIM und GIS, welches manche vielleicht unter dem Begriff City BIM kennen. Da geht es dann nicht nur um Gebäude-Daten, sondern auch um Flächen-Daten, also städtebauliche Daten. Diese Thematik ist relevant für uns, weil wir nicht nur Gebäude herstellen, sondern darüber hinaus ganze Quartiere. Andere Themen, um die wir uns kümmern, sind beispielsweise Visualisierungen oder 3D-Rundgänge. Bei Bestandsgebäuden sorgen wir dafür, dass wir möglichst einfach 3D-Rundgänge aufbereiten bzw. aufnehmen und diese unseren Kunden zur Verfügung stellen. Das Thema Klimaschutz begleitet uns sehr stark, weil wir natürlich auch daran interessiert sind, unseren Beitrag zur Senkung des CO2-Ausstoßes zu liefern. Des Weiteren wird der Umgang mit der Nutzung nachhaltiger Ressourcen immer bedeutender. Wir haben Bestrebungen und auch ganze Arbeitsgruppen, die sich verschiedenen Themen rund um den Klimaschutz widmen. Das Thema “Smart Building” ist ein weiterer Trend, den wir auch gerade beobachten und intensiv analysieren. Wir wollen auf der einen Seite für uns selbst als Vermieter Mehrwerte im Bereich der Digitalisierung generieren. Aber auch die Wünsche unsere Mieter haben sich verändert, indem sie sich mehr Digitalisierung in ihren eigenen Wohnungen wünschen und zukünftig erwarten. Abschließend haben wir noch das Thema Kundenportal. Da geht es um die Entwicklung einer App, weil sich der Kunde in Zukunft auch andere Kommunikationswege wünscht, wie zum Beispiel Online Services.

Datenbasierte Entscheidung

STARTPLATZ: Hilft euch ein starkes Netzwerk dabei, Trends und Innovationen besser zu nutzen und wenn ja, in welcher Art und Weise?

Jérôme Stubenrauch: Auf jeden Fall, denn Trends bekommt man natürlich auch erst durch Netzwerke mit. Die nächste Stufe ist dann die Umsetzung der Trends. Da sind wir natürlich auf Netzwerke angewiesen. Wir haben zum einen Netzwerke in der Wohnungswirtschaft, wie zum Beispiel das DigiWoh. Da sind wir mit anderen Unternehmen organisiert, die sich auch um Digitalisierungsthemen kümmern und sich quasi gegenseitig bei Fragen helfen. Was sind die besten Anbieter, wenn ich ein Mieterportal errichten möchte? Was gibt es für Anbieter, Lösungsansätze und Strategien bei 3D-Visualisierungen? Man schafft sich durch diese Netzwerke relativ schnell Erfahrung, welche man sonst selber machen müsste und man spart sich Fehler, die man ohne diese Netzwerke eventuell gemacht hätte. Man kann viel schneller zu einer Lösung kommen. Deswegen sind solche Netzwerke, die in unserer Branche liegen, sehr interessant für uns. Aber natürlich sind auch Netzwerke wichtig, die nicht in unserer Branche angesiedelt, bzw. branchenoffen sind, denn besonders bei Digitalisierungsthemen gibt es immer ganz viele Querschnittsthemen, die alle betreffen, zum Beispiel Agilität und Co. Das betrifft jedes Unternehmen und deswegen macht es auch Sinn, sich dort zu connecten. Das ist auch der Grund, warum wir heute mit euch beim STARTPLATZ sitzen. Wir wollen eben auch diese größere Connection zu Startups und Innovationstreibern, ohne eine bestimmte Branche.

Branchenoffene Netzwerke

STARTPLATZ: Inwieweit betrachtet ihr die Zusammenarbeit mit Startups als sinnvoll, um eure eigenen Ziele zu erreichen?

André Hofmann: Das ist aus unserer Sicht sehr sinnvoll, weil man durch die Zusammenarbeit mit Startups nochmal einen neuen Blickwinkel auf die Dinge bekommt. Startups gehen häufig anders an die Aufgaben und Probleme heran, als ein etabliertes Unternehmen es aufgrund seiner gewachsenen Strukturen kann. Das heißt wir erhoffen uns daraus, dass wir Zugang zu innovativen Lösungen und frischem Know-how, welches in den Startups steckt, bekommen. Wir lernen, wie die schlanken Prozesse im Startup ablaufen oder welche agilen Arbeitsweisen wir für uns adaptieren können. Es ist häufig eine andere Kultur in der Zusammenarbeit. Das sind alles Punkte, von denen wir nur profitieren können, wenn wir den Austausch suchen und in die Zusammenarbeit gehen. Große Unternehmen tun sich bei neuartigen Problemen häufig schwerer als Startups, weil die bestehenden Strukturen die Veränderungsprozesse verlangsamen. Hier kann die Zusammenarbeit mit Startups als Beschleuniger wirken. Und deswegen bin ich der Meinung, dass ein Blick nach außen eine große Bereicherung sein kann – sowohl für Unternehmen wie die GAG – aber natürlich auch für die Startups. Die Zusammenarbeit muss für beide Seiten Vorteile bieten und das funktioniert aus meiner Sicht.

STARTPLATZ: Habt ihr bereits Erfahrung mit Startups gemacht?

Jérôme Stubenrauch: Wir haben oft einen Austausch über die Business-Netzwerke mit Startups, die an uns herantreten und uns eine innovative Lösung vorschlagen. Unsere Aufgabe liegt dann darin, eingegangene Vorschläge zu kanalisieren. Wir arbeiten aber auch schon mit verschiedenen Startups, die wir in unsere System-Landschaft integriert haben, fest zusammen. Das ist der Vorteil, den wir auch in der ganzen Startup-Bewegung sehen. Vorher gab es in der Immobilienbranche nur die großen Systemhäuser und Platzhirsche, die es schon seit 30 Jahren gibt und die auch nicht unbedingt die besten Lösungen haben. Jetzt gibt es neue Startups, die sich immer ein konkretes Problem anschauen und dieses komplett neu angehen und strukturieren und dadurch teilweise diese etablierten Unternehmen verdrängen können. Wir als GAG nehmen Start-Ups genauso wahr wie etablierte Unternehmen, schätzen besonders die Vorteile der Zusammenarbeit wie z.B. agile Vorgehensweisen und Nutzerzentrierung und ich bin mir sicher, das wird in Zukunft auch noch zunehmen.

 

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