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FuckUp Night Recap

4. Dezember 2015, 18:28 :: Allgemein

Autor: Victoria Blechman

Vergangenen Donnerstag fand die nun schon sechste Ausgabe der FuckUp Night Cologne am Brüsseler Platz statt. Damit feierte das FuckUp-Konzept sein 1-jähriges Jubiläum in Köln. Entstanden ist die Grundidee 2012 in Mexiko, mit dem Ziel das Tabuthema „Scheitern“ salonfähig zu machen und ein Umdenken im Umgang mit der Thematik anzuregen.
An diesem Abend stellten die Unternehmer Christian Dommers, Zoran Pisar und Markus Mölter sowie der Künstler Micha Marx und die Wissenschaftlerin Dr. Jutta Stahl ihre Geschichte über das Scheitern in der voll besetzten St. Michaelskirche vor. Die bunte Mischung bescherte den Zuhörern einen interessanten Abend.

Wie Scheitern aussehen und welche Lektionen man daraus lernen kann, konnte zum Beispiel Christian Dommers sehr gut darstellen:
Christian gründete 2008 das Kölner Ausgehportal, Stadtmagazin und später den Gutscheinanbieter „WerGehtHin“, der trotz eines starken Umsatzes von 1,5 Mio. € 2012 einen Umsatzeinbruch und Finanzierungsnot erfahren musste. Im Juni 2012 musste Christian den Insolvenzantrag einreichen, was er als „den schwärzesten Tag meines Lebens“ bezeichnete.

Aus seinen Erfahrungen hat Christian gelernt und konnte den Zuschauern fünf Lektionen mit auf den Weg geben:

  • Nicht von der eigenen rosigen Investorenstory (ver)leiten lassen, wenn Pläne in der Realität keinen Sinn ergeben.
  • Ein gut durchdachter Businessplan ist kein Garant für ein erfolgreiches Unternehmen. Er arbeitet lediglich mit Annahmen, die sich jedoch schnell wieder ändern können. Deswegen sollte man sich nicht im Businessplan und der Produktentwicklung verlieren sondern stattdessen das Produkt schnell testen und mit der Frage „Was braucht der Kunde?“ weiterentwickeln.
  • Das Team so klein wie möglich halten und auf Mitarbeiter mit Erfahrung fokussieren.
  • Face the Facts!
  • Nimm dir Zeit für’s Leben, um den nötigen Abstand zum Projekt zu schaffen und spare nicht an Dingen, die dich aufblühen lassen.

Auf die Frage, ob er noch einmal Gründen würde, sagte er „Ich würde es wieder tun…unter anderen Voraussetzungen“. Heute arbeitet er bei der Eyeo GmbH für AdBlockPlus.

Auch Zoran Pisar (Architekt) und Markus Mölter (Mitgründer einer App-Schmiede) stellten ihre Geschichte des Scheiterns vor. Wie der Kreditrahmen trotz sehr gut laufender Geschäfte nicht von der Bank erweitert wurde und wie wichtig in der schwierigen Zeit ein Anwalt und die Familie war. Wie Missmanagement, zu hohe Kundenansprüche an einen noch jungen Markt und zu viele Projekte mit kleinem Budget zu unkontrollierbaren Eskalationsraten und damit zu einer persönlichen Exitstrategie aus dem Unternehmen geführt hat. Wünschenswert wäre es gewesen, von beiden Speakern ein persönliches Resumé und aus der Situation Gelerntes zu hören.

Kurz vor der Pause stellte der Komiker Micha Marx sehr anschaulich seine persönlichen Erfahrungen mit dem Thema dar. Mit seinen humorvollen Zeichnungen und Erzählungen zum Thema „Die Chronologie des Scheiterns“ zeigte er, wie man sich auch mit Humor dem Thema widmen kann.

Den Abschluss machte Dr. Jutta Stahl, die das Thema Scheitern aus wissenschaftlicher Perspektive beleuchtete. Sie definierte das Grundprinzip des Scheiterns als ein nicht Erreichen eines Ziels dar. Die Ursachen dafür können vielfältig sein, falsche Planung und Entscheidungen oder ignorieren der Fakten. Letztlich definiert die Zielsetzung das Scheitern, daher ist es notwendig realistische Ziele zu setzen, um die Wahrscheinlichkeit des Scheiterns zu verringern. Darüber hinaus sprach sie davon wie sowohl Gene als auch die persönliche Erfahrung beispielsweise aus den Erwartungen der Eltern den Umgang mit Fehlern beeinflussen. Die drei wichtigsten Aspekte im Umgang sind zum einen, das Scheitern als Gefühl zu akzeptieren, um sich weniger auf emotionaler Ebene sondern auf sachlicher Ebene mit dem vorhandenen Problem zu beschäftigen. Zum anderen zu lernen, dass das Ziel auf einem anderen Wege erreicht werden kann oder sich ein neues Ziel zu setzen. Schließlich sollte man bedenken, dass man Hilfe holen und annehmen darf, sei es finanzieller oder emotionaler Art.

Der Abend hat deutlich gemacht, wie unterschiedlich der Umgang mit dem Thema „Scheitern“ sein kann. Von emotional über komisch zu abgeklärt und reflektiert. Dass das Veranstaltungskonzept ankommt, zeigen die Besucherzahlen. Es bleibt spannend zu sehen, welche Geschichten im zweiten Jahr der FuckUp Night Cologne erzählt werden.



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