Lean User Research: Produkte entwickeln wie Google - STARTPLATZ

Lean User Research: Produkte entwickeln wie Google

17. April 2015, 07:50 :: Aktuelle Trends | Allgemein

Autor: Matthias Gräf

Was kann Lean User Research für dich tun?

Zu viele Startups scheitern, weil sie in ihre Lösung verliebt sind, Freunde für ihre Kunden halten oder Kunden zu Wahrsagern machen (Mehr zu den 3 Killer-Fehlern). Hier erfahrt Ihr, wie Ihr diese Fehler vermeiden könnt – mit Lean User Research.

Passend zum Thema auch unser Highlight Workshop “Lean User Research” mit Senior User Experience Researcher Tomer Sharon von Google (NYC).

Autor: Mladen Panov, MAK3it GmbH

Lean User Research zielt darauf ab, den richtigen Leuten zur richtigen Zeit Einblicke in die Sichtweisen und Fähigkeiten zukünftiger Produkt-Nutzer zu geben. Hier kommen drei grundlegende Lean User Research Techniken:
 

Technik Nr. 1: Experience Sampling – Mehrmals täglich dieselbe Frage stellen

Potenuzielle Kunden werden mehrmals täglich gebeten, ihre Erlebnisse in der Situation zu beschreiben, in der sie sich gerade befinden. Der Schlüssel, um die Realität der Nutzer freizulegen, ist dabei dieselbe Frage immer wieder zu stellen. Zum Beispiel: “Was hat sie an diesem Produkt in den vergangenen Stunden gestört?” Fragt man 100 Teilnehmer fünf Tage lang fünf mal täglich, erhält man 2.500 Datenpunkte, in denen viele wertvolle Informationen stecken. Entscheidend ist dabei, nach wiederkehrenden Verhaltensmustern zu fragen.

lur2-1
Experience Sampling. (Bild: MAK3it, Quelle: Tomer Sharon)

Nicht sinnvoll in diesem Zusammenhang ist, das Abfragen von Meinungen, Ja/Nein-Fragen oder Zahlenwerten. Schlechtes Beispiel: “Wie viele E-Mails haben sie in den vergangenen Stunden erhalten?” Aus den Zahlen, die man als Antworten erhält, kann man eher wenig lernen. Gutes Beispiel: “Warum haben Sie zuletzt ihre Webseite aktualisiert?” Hier erhält man qualitative, sich unterscheidende Antworten. Ziel des Experience Sampling ist es, gemeinsame Verhaltensmuster zu identifizieren, indem nach Folgendem gefragt wird:

  • zugrunde liegende Bedürfnisse
  • gewünschte Funktionen
  • vorhandene Probleme
  • offene oder verborgene Wünsche

Technik Nr. 2: Observation – Kunden in ihrem Umfeld erforschen

Bei der Observation geht es darum, Verhalten der Kunden vor Ort zu beobachten:
Beobachten: In ihrem zu Hause, an der Arbeit, auf der Straße, überall dort, wo es relevant ist
Zuhören: Wie sprechen die Menschen miteinander, welche Worte, welchen Sprachstil benutzen sie?
Wahrnehmen: Wie verhalten sich die Menschen, wie geht es ihnen dabei?
Zusammentragen: Dinge einsammeln, die Menschen genutzt oder erstellt haben. Zum Beispiel eine Excel-Tabelle, die ein Teilnehmer erstellt hat, um seine Arbeit zu erledigen oder einen Einkaufszettel.
Kernfrage ist hier, worauf man genau achten sollte – denn schließlich gibt es unzählig viele Dinge an Menschen zu beobachten. Was für die Produktentwicklung zählt:

  • Routinen: Was tun die Teilnehmer regelmäßig und wie tun sie es?
  • Unterbrechungen: Wie gehen die Teilnehmer mit Unterbrechungen um?
  • Ärgernisse: Was frustriert, stört, überfordert die Teilnehmer? Und wie bewältigen sie diese Hindernisse?
  • Freuden: Was stimmt die Teilnehmer fröhlich, was macht sie glücklich, was begeistert sie? Womit belohnen sie sich?
  • Übergänge: Es lohnt sich, nicht nur die eigentlich interessante Aufgabe zu beobachten, sondern besonders auch auf die Übergänge zwischen den einzelnen Aufgaben zu achten.

Observation eignet sich:

  • um mehr über wünschenswerte Funktionen, vorhandene Probleme herauszufinden
  • um mehr über Abläufe und Ziele potentieller Kunden zu erfahren
  • um eigene Annahmen über das Kundenverhalten zu bestätigen oder zu widerlegen
Observation. (Bild: MAK3it, Quelle: Tomer Sharon)
Observation. (Bild: MAK3it, Quelle: Tomer Sharon)

 

Technik Nr. 3: Fake Doors – Über Schein zum Sein

Diese Technik steht unter dem Motto: “Fake it, ‘till you make it.” Gemeint ist zum Beispiel auf einer Webseite ein Produkt zum Kauf anzubieten, das noch nicht existiert. Tragen sich Kunden ein, um das Produkt zu kaufen, weiß man, dass man auf dem richtigen Weg ist. Ein anderer Weg ist der “Button to Nowhere”. Bevor ein Startup eine bestimmte Funktion für die Seite oder eine App entwickelt, wird auf der Webseite ein Button angelegt, der nirgendwohin bzw. auf eine freundlich formulierte Seite führt: “Diese App / diese Funktion ist noch nicht verfügbar.” Schaut man sich an, wie viele Menschen diesen Fake-Button anklicken im Verhältnis zu den Nutzern der Seite, kann man viel darüber lernen, ob die Funktion oder App hinter dem Button wirklich entwickelt werden muss.

Button to Nowhere. (Bild: MAK3it, Quelle: Tomer Sharon)
Button to Nowhere. (Bild: MAK3it, Quelle: Tomer Sharon)

 

Lean User Research 2-Tagesworkshop im STARTPLATZ

Mehr zum Thema gibt es in unserem 2-Tagesworkshop “Lean User Research” mit Senior UX Researcher Tomer Sharon von Google am 7. und 8. Mai im STARTPLATZ in Zusammenarbeit mit unserem Kooperationspartner mak3it GmbH.



Kommende Events

  • Monday, 29.11.21, 18:00 - 21:00 Uhr
  • remote, rheinland-pitch@startplatz.de

  • Tuesday, 30.11.21, 15:30 - 17:00 Uhr
  • STARTPLATZ, Remote

  • Thursday, 02.12.21, 18:00 - 20:00 Uhr
  • STARTPLATZ, Im Mediapark 5, 50670 Köln

Neueste Beiträge

Latest tweets

STARTPLATZ