Der Versicherungsnehmer im Fokus – Interview mit Taylor Wessing

5. Juni 2018, 17:30 :: Allgemein | Veranstaltungen

Autor: Olga Rube

In einer Branche, die ein hohes Beratungspotential aufweist, setzt Taylor Wessing als internationale Wirtschaftskanzlei und offizieller Partner bei der InsurTech Week in Köln vom 4. – 9. Juni signifikante Impulse für die Versicherung der Zukunft. Im offenen Dialog mit Detlef Klett, Fachanwalt für IT-Recht und Dr. Ingo Weckmann auf Versicherungsaufsichtsrecht spezialisierter Rechtsanwalt bei Taylor Wessing, erfahren wir, welchen Herausforderungen sich Versicherer künftig stellen müssen und wie Innovation in einer hochregulierten Branche gelingen kann. 

Hallo Herr Klett, hallo Herr Dr. Weckmann! Erzählen Sie uns doch in zwei bis drei Sätzen mehr über Taylor Wessing!

„Taylor Wessing zählt mit rund 1.200 Rechtsanwälten in 33 Büros und 19 Ländern zu einer der größten Wirtschaftskanzleien auf nationaler und internationaler Ebene. Wir unterstützen und beraten als Partnerschaftsgesellschaft weltweit Unternehmen verschiedenster Branchen in Fragen des nationalen und internationalen Wirtschaftsrechts und verfolgen dabei stets einen innovativen und proaktiven Beratungsansatz. Von Arbeitsrecht und Compliance bis hin zu IT-Recht/Datenschutz sowie Bank-, Finanz- und Versicherungsrecht verfügen wir über ein umfangreiches Netzwerk renommierter Anwälte mit weitreichender Expertise und Branchen Know-how.“

InsurTech Startups sprießen derzeit wie Pilze aus dem Boden. Warum sind Innovationen in der Versicherungsbranche so wichtig?

„Es ist zu beobachten, dass das Thema Digitalisierung seit geraumer Zeit Einzug in die Versicherungsbranche hält und das generelle Bewusstsein für Innovation in der Versicherungswirtschaft immer mehr Anklang findet. Auch wenn die Versicherungsbranche (noch) als wenig innovativ gilt und nicht dafür bekannt ist, schnell anpassungsfähig zu sein, erkennen Versicherer zunehmend, dass man dieses Thema nicht verschlafen darf und viel verstecktes Potential in digitalen Konzepten schlummert. Hohe Investitionen in Accelerator-Programme und Kooperationen deuten auf das wachsende Interesse seitens Versicherer hin, dem Thema Beachtung zu schenken. Sowohl auf nationaler als auch auf internationaler Ebene setzen sich deutsche Versicherungsunternehmen vermehrt dafür ein, InsurTech Startups zu fördern. Anlässlich des Innovationsspirits, der sich verstärkt bei deutschen Versicherungsunternehmen breitmacht, sollten sich Versicherer bei der Entwicklung neuer Konzepte stets folgendes fragen: Welche Art von Innovationen müssen wir entwickeln, um Versicherungsnehmer in den Fokus zu stellen noch besser auf seine Bedürfnisse eingehen zu können? Versicherer müssen sich vom Zahlmeister zum Kümmerer entwickeln. Es geht heute nicht mehr nur darum, die Schadensleistung zu erbringen – im Vordergrund sollte vielmehr die Nähe und insbesondere die Bindung zum Kunden stehen. Nur so können sie für eine noch bessere Kommunikation zwischen Versicherern und Versicherungsnehmern sorgen, das Verbrauchervertrauen nachhaltig wahren und das Produkt Versicherung erlebbar machen.“

Welchen Hürden müssen sich Versicherer in Zukunft stellen?

„Die Versicherungswirtschaft ist im Vergleich zu vielen anderen Branchen einer strengen Regulierung ausgesetzt. Hinzu kommt, dass das Kerngeschäft in der Versicherung schwer zu digitalisieren ist, da ein hoher Beratungsbedarf besteht. Eine Tatsache, die Versicherern von heute eine Menge Stolpersteine in den Weg legt. Diese müssen zwei zentrale Fragen unter einen Hut bringen. Zum einen: Wie können wir möglichst innovativ sein und uns nach vorne bewegen? Und andererseits: Wie halten wir dessen ungeachtet bestehende Regularien ein?

„Es wird keinen Sandkasten geben, in dem Regularien in der Versicherung außer Acht gelassen werden können.“

Eine Tatsache, die keinesfalls der Branche vorgeworfen werden kann. Regularien und Instanzen wie die BaFin, die für die Versicherungsaufsicht zuständig ist, in der Branche notwendig, um die Interessen der Versichertengemeinschaft zu wahren. Hinzu kommt das Thema Datenverarbeitung und Datenmissbrauch – ein großes Thema im Versicherungswesen. Anlässlich der neuen europäischen Datenschutzgrundverordnung setzen wir deshalb auf Veranstaltungsformate wie den DSGVO-Breakfast Workshop, bei dem der Erfahrungsaustausch über rechtliche Vorgaben sowie Risiken der Non-Compliance im Vordergrund stehen. Unser IT-rechtliches Dezernat am Düsseldorfer Standort widmet sich intensiv Themen wie Cyber Security & Data Privacy.“

Taylor Wessing veranstaltet regelmäßig einen Insurance Day, der sich relevanten Digitalisierungsthemen in der Versicherungsbranche widmet. Welches Rahmenprogramm erwartet Teilnehmer und wie läuft dieser Tag ab? 

„Seit 2009 richten wir bei Taylor Wessing den Insurance Day aus. Zunächst einmal im Jahr, laden wir inzwischen zwei Mal jährlich zu einem Austausch über aktuelle versicherungsaufsichtsrechtliche sowie versicherungsvertragsrechtliche Entwicklungen ein. Aus diesem Anlass ist es uns wichtig, externe Speaker von Mandantenseite zu diesen Themen an Bord zu haben. Am 8. November 2018 findet der 14. Taylor Wessing Insurance Day in München statt. Die Versicherungshochburg zählt nach Köln zu einem der wichtigsten Standorte, wenn es um das Thema InsurTech geht. Beim nächsten Insurance Day adressieren Mareike Christine Gehrmann und Fritz Pieper typische Digitalisierungsthemen und das Thema Datenschutz.“

Was erhoffen Sie sich von der Teilnahme an der diesjährigen InsurTech Week?

„Es passiert in letzter Zeit jede Menge in der InsurTech-Szene: Innovationsbrutstätten wie das InsurLab treiben relevante Digitalthemen voran und machen Köln zur Versicherungshauptstadt in Deutschland. Umso wichtiger ist es für Versicherer, mit jungen Menschen in den Dialog zu treten und deren Geschäftsmodell zu verstehen. Uns als Anwälte der Branche liegt es am Herzen, dieses Thema zu begleiten und mitzugestalten. In unserem Vortrag Next-Generation-Versicherung gehen wir auf versicherungsaufsichtsrechtliche Themen ein und schneiden das für InsurTech relevante Thema Datenschutz an. An dieser Stelle freuen wir uns auf neue Sichtweisen und den offenen Austausch mit Querdenkern, die Digitalisierung im Versicherungswesen vorantreiben wollen.“

Über Detlef Klett
Detlef Klett ist als Fachanwalt für IT-Recht bei der national und international operierenden Kanzlei TaylorWessing in Düsseldorf tätig. Er ist spezialisiert auf die rechtliche Beratung zum IT-, Datenschutz- und Telekommunikationsrecht. Ein wesentlicher Schwerpunkt seiner Beratungstätigkeit ist die IT-vertragsrechtliche und datenschutzrechtliche Beratung von Digitalisierungsprojekten. Detlef Klett ist seit über acht Jahren fortlaufend im JUVE-Handbuch als „häufig empfohlener Anwalt“ im IT-Recht gelistet. Zudem wurde er im Handelsblatt, der Wirtschaftswoche und Legal 500 als führender Anwalt für IT-Recht erwähnt.
 

Detlef Klett

 
Über Dr. Ingo Weckmann
Ingo Weckmann ist Rechtsanwalt bei TaylorWessing und berät Versicherer und sonstige Unternehmen zu versicherungsrechtlichen Fragenstellungen. Er hat sich dabei auf das Versicherungsaufsichtsrecht spezialisiert. Ingo Weckmann studierte in Bayreuth und Münster. 2009 verlieh ihm die Uni Münster den Master of Laws (LL.M.) im Bereich Versicherungsrecht und 2017 promovierte er bei Herrn Prof. Dr. Dirk Looschelders zu rechtsdienstleistungs- und versicherungsrechtlichen Fragestellungen.
 
Dr. Ingo Weckmann

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Suchbegriff: insurtechweek

 



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