Dermanostic: Wie das Düsseldorfer Startup die Dermatologie revolutioniert - STARTPLATZ

Dermanostic: Wie das Düsseldorfer Startup die Dermatologie revolutioniert

5. August 2020, 10:27 :: Accelerator | Community | Erfolgsgeschichten

Autor: Arne Gonschor

Das Gesundheitswesen digitalisieren. Hautkrebs den Kampf ansagen. Menschen Zugang zu medizinischer Beratung ohne Wartezeiten ermöglichen. Drei ambitionierte Ziele, und doch hat sich unser Düsseldorfer Startup Dermanostic entschieden, all diese Probleme gleichzeitig zu lösen. Wir haben mit der Gründerin Alice Martin über die Anfänge ihrer App und über die Absicht des Gründerteams gesprochen, jedem Patienten innerhalb von 24 Stunden eine persönliche Diagnose zu stellen.

 

Hautkrebs den Kampf ansagen

 
Mit ihrer persönlich entwickelten App wollen Estefanía und Patrick Lang sowie Alice und Ole Martin Menschen dabei helfen, Hautkrankheiten so schnell und unkompliziert wie möglich zu behandeln, ohne ihren Hautarzt konsultieren zu müssen. Ein nobles Vorhaben, jedoch waren die ersten Monate für die beiden Gründerpaare nicht einfach, wie sich Alice Martin erinnert:

“Die Investorensuche erwies sich als schwieriger als ursprünglich angenommen. Wir wurden nahezu täglich gefragt, wie wir es schaffen wollen, Familie und Startup unter einen Hut zu bekommen.”

Dass die mediale Aufmerksamkeit nun seit einigen Monaten nicht abebbt, dürfte das Team aus unserem Accelerator Batch #20 daher umso mehr freuen. Unternehmer Markus von Blomberg zum Beispiel ist angetan von der Dynamik des Teams und von dem Umstand, dass es sich bei den Gründern um ehemalige Ärzte handelt. Da sie sowohl ihren Markt als auch die Bedürfnisse der Patienten und die Herausforderungen kennen, war er bereit, seine Überzeugung auch finanziell geltend zu machen. In den folgenden Wochen rekrutierte er drei weitere Investoren, die den Lang’s und Martin’s eine Gesamtsumme von zwei Millionen Euro in der ersten Finanzierungsrunde einbrachten.

Diese Finanzspritze war jedoch erst der Anfang einer von Erfolg geprägten Strähne. Das ambitionierte Gründerquartett erreichte etwa beim Wettbewerb NRW-Wirtschaft im Wandel einen der elf Podestplätze und nahm die dortigen Glückwünsche von Wirtschaftsminister Professor Pinkwart persönlich entgegen. Kurze Zeit später überreichte auch Frank Thelen dem Startup im Rahmen des ersten bundesweiten Digitaltags den Preis für das beste Startup aus dem Rheinland.
 

Menschen überall Zugang zu medizinischer Versorgung ohne Wartezeit ermöglichen

 
Aktuell gibt es in Deutschland lediglich etwa einen Hautarzt in der vertragsärztlichen Versorgung auf ca. 90 km². Wie soll die versprochene, uneingeschränkte Beratung bei dieser geringen Abdeckung überhaupt funktionieren? Und warum suchen Menschen in ihrem Leben durchschnittlich nur ca. fünf mal überhaupt einen Hautarzt auf? Gründerin Alice Martin hat auch hierzu eine mögliche Erklärung:

“Wir haben in Deutschland das Privileg, einen sehr hohen Versicherungsschutz zu genießen, dessen Leistungskatalog so umfassend ist wie in kaum einem anderen Land ist. Die Möglichkeit, sich jederzeit von einem kompetenten Arzt behandeln lassen zu dürfen, wird allerdings dann hinfällig, wenn die langen Wartezeiten einen Besuch beim gewünschten Arzt verkomplizieren und verzögern. Die Gegebenheiten werden dadurch erschwert, dass es verhältnismäßig wenige Hautärzte gibt, was sich darin begründet, dass nicht jede Klinik über eine Hautklinik verfügt und es an Ausbildungsmöglichkeiten fehlt.”

1.600 Patienten behandelte das Ärzteteam von Dermanostic bis dato, in der Betaphase waren 1000 davon kostenlos. Die durchweg positiven Rezensionen der App zeichnen dabei ein Bild zufriedener Nutzer*innen: In 40% der diagnostizierten Fälle war entweder keine Therapie oder lediglich ein nicht verschreibungspflichtiges Medikament notwendig, weiteren 40% der Benutzer*innen wurde eine Therapie mit verschreibungspflichtigen Medikament diagnostiziert. In den restlichen Fällen appellierte das Ärzteteam, sich für ergänzende Therapiemaßnahmen wie etwa eine Blutabnahme, eine OP oder eine Probenentnahme beim Hautarzt vorzustellen.
 

 

Das Gesundheitswesen digitalisieren

 
Estefanía Lang und Alice Martin kantten sich bereits einige Jahre vor der Gründung ihres gemeinsamen Startups. Seit 2017 arbeiten sie Seite an Seite im Universitätsklinikum Düsseldorf und entwickelten so gemeinsam ihre Leidenschaft für die Dermatologie. Als Ärztin im Freundeskreis zeichnete sich bald jedoch eine Routine im Alltag der beiden Kolleginnen ab: Regelmäßig erhielten sie Fotos von Freunden und Bekannten, die sie um eine professionelle Einschätzung zu Muttermalen, Hautrötungen oder Hautveränderungen baten.

„Die Idee, eine App zu entwickeln, die den Hautarztbesuch digital abbildet, war der nächste logische Schritt für uns. Da Whatsapp nicht datenschutzkonform ist, war unser initialer Gedanke, die Beratungen, die wir in unserem Umfeld ohnehin leisten, zu professionalisieren.”

Alice Martin verrät, dass Smartphones seit 2015 eine ausreichende Bildqualität bieten, die ermöglicht, 90% aller Hauterkrankungen mittels Bild-Text-Verfahren zu diagnostizieren – eine Quote, die der eines niedergelassenen Arztes entspricht. Die Dermanostic-App setzt Usability für die Nutzer*innen dabei an erste Stelle und ermöglicht eine Diagnose in nur wenigen Schritten:
 

  1. Drei Fotos der mutmaßlichen Hautveränderung hochladen
  2. Anamnese-Fragebogen ausfüllen
  3. Optionale Notiz an den zuständigen Arzt schicken.
  4. Wenige Stunden (aktuell sind es im Schnitt etwa 4,38 Stunden) warten
  5. Arztbrief inklusive Therapiemöglichkeiten, Aussicht auf Besserung und weitere Schritte via Push-Benachrichtigung erhalten
  6. Rezept erhalten (falls erforderlich)

 
Gerade einmal 25 € kostet der digitale Befund den Patienten derzeit. Obendrein führt das Dermanostic-Team Einzelgespräche mit sämtlichen gesetzlichen Krankenkassen, um eine Übernahme der Kosten zu erwirken. Private Krankenkassen übernehmen den Betrag bereits größtenteils.

Durch Dermanostic konnte damit bis heute insgesamt 13 Menschen mit einer Vorstufe von Hautkrebs geholfen und eine frühzeitige Behandlung ermöglicht werden.
 

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