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Wissensmanagement im Startup: Wofür und vor allem – wie?

18. Juli 2019, 15:28 :: Aktuelle Trends | Gastbeitrag

Autor: Janina Singh

Wissen ist Macht, lautet ein berühmtes Sprichwort und dieses hat durchaus einen wahren Kern. Mehr denn je, wird heutzutage nämlich das Wissensmanagement zum Erfolgsfaktor in Unternehmen – und zwar von Beginn an. Das Wissen hat mittlerweile den Status als vierten Produktionsfaktor neben Boden, Arbeit und Kapital erlangt. Es wird demnach als jene Ressource betrachtet, welche einen Anteil von mindestens 60 Prozent an der gesamten Wertschöpfung des betreffenden Unternehmens hat. Die Wissensintensität nimmt also stetig zu. Vor allem aber ist Wissen bei Startups unerlässlich, um überhaupt Gewinn erwirtschaften und sich auf dem Markt durchsetzen zu können. Denn dieser bringt zahlreiche Herausforderungen mit sich:

  • Kundenerwartungen,
  • Wettbewerb,
  • Internationalisierung,
  • Komplexität sowie
  • Beschleunigung (beispielsweise von Prozessen, Produktlebenszyklen & Co).

Diese sind nur einige Beispiele von vielen, doch sie machen bereits deutlich, weshalb Wissen in der modernen Geschäftswelt unverzichtbar geworden ist – vor allem für Startups.

Wofür Startups ein Wissensmanagement brauchen

 
Die Bedeutung des „intellektuellen Kapitals“ sollte also von keinem Unternehmen (mehr) unterschätzt werden. Stattdessen steuern wir auf eine sogenannte Wissensgesellschaft zu – Historiker sprechen auch vom Wissens- oder Informationszeitalter – sprich der Leistungserstellungsprozess wird zunehmend von immateriellen Bestandteilen geprägt. Auf gut Deutsch: Es geht weniger um das Machen als eben um das Wissen. Zur Verdeutlichung dient der bekannte Schuhproduzent Nike als anschauliches Beispiel. Denn hier werden inhouse mittlerweile überhaupt keine Schuhe mehr hergestellt. Stattdessen fungiert das Unternehmen nur als „Wissensmanager“ und lagert die Wertschöpfung entsprechend aus. Ähnlich läuft das mittlerweile auch bei vielen anderen Unternehmen aus sämtlichen Branchen ab.

Was bedeutet das nun für Startups? Mit dem richtigen Wissen kann das noch junge Unternehmen seinen Weg zum Erfolg ebnen. Demgegenüber ist eine rein produktive Herangehensweise heutzutage immer öfters zum Scheitern verurteilt. Es gilt stattdessen, das Wissen im Startup von Beginn an aktiv zu „managen“, um es gewinnbringend nutzen und langfristig wahren zu können.

Fluktuation bedeutet Abwanderung von Wissen

 
Dieses Wissen langfristig zu wahren, ist also heutzutage eine der größten und wichtigsten Herausforderungen nicht nur für Startups, sondern für alle Unternehmen. Mitarbeiter spielen dabei eine wichtige Rolle, um Wissenslücken zu schließen. Denn wenn ein Mitarbeiter geht, verschwindet mit ihm auch sein Wissen, beispielsweise seine Erfahrung sowie Expertise. Gerade bei Startups ist die Mitarbeiterfluktuation oft aber noch vergleichsweise hoch. Betroffen sind meist vor allem jene Bereiche, in welchen sich die Personalsuche ohnehin schwierig gestaltet. IT-Fachkräfte werden beispielsweise händeringend gesucht und hier können junge Unternehmen oft einfach nicht mit der großen Konkurrenz mithalten. Es wird also zunehmend schwierig, überhaupt noch Mitarbeiter mit entsprechender Qualifikation zu finden und diese auch im Unternehmen zu halten.

Hier kann wiederum das Outsourcing die passende Lösung darstellen – wie es eben beispielsweise Nike vormacht. Zudem muss das Wissen, welches IT-Fachkräfte ins Unternehmen mitgebracht haben, auch dokumentiert und gespeichert werden, bevor diese es wieder verlassen. Selbiges gilt natürlich für alle anderen Angestellten. Denn eine hohe Mitarbeiterfluktuation, schadet dem Unternehmen. Zu diesem Ergebnis kam eine Studie des Mannheimer Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung. Das liegt vor allem an dem großen impliziten Wissen, welches Mitarbeiter in einem Startup besitzen und dementsprechend auch mitnehmen, wenn sie das Unternehmen verlassen.

Kein Wissen ohne lebenslanges Lernen

 
Die Mitarbeiterfluktuation ist aber nicht die einzige Herausforderung, mit welcher sich Startups in ihrem Arbeitsalltag konfrontiert sehen. Stattdessen sinkt auch die Halbwertzeit von Wissen und damit von einem essentiellen Erfolgsfaktor zunehmend. Der technologische Fortschritt, die Globalisierung & Co sorgen dafür, dass Wissen heutzutage längst nicht mehr so beständig ist wie noch vor einigen Jahrzehnten. Das Schulwissen ist mittlerweile schon nach 20 Jahren zur Hälfte veraltet. Das Wissen aus dem Studium sowie berufsspezifisches Fachwissen gilt sogar schon nach durchschnittlich fünf bis zehn Jahren als zu 50 Prozent ungültig. Am schnellsten schreitet diese Entwicklung beim IT-Wissen voran, welches bereits nach zwei bis drei Jahren oder weniger überholt ist. Besonders betroffen sind also Bereiche, in welchen es einen ständigen Fortschritt gibt und wo es demnach regelmäßige Aktualisierungen braucht.Bereiche, welche im unternehmerischen Alltag eine wichtige Rolle spielen.Das lebenslange Lernenist deshalb unerlässlich – für jeden Einzelnen sowie für das Unternehmen im Gesamten.
 


 

Mitarbeiter sind Fluch und Segen zugleich

 
Beim Wissensmanagement geht es demnach darum, das Wissen zu dokumentieren, abzuspeichern, regelmäßig zu aktualisieren und anschließend natürlich auch in der Praxis anzuwenden. Es handelt sich somit um ein komplexes Ziel, dessen Bedeutung für den unternehmerischen Erfolg in vielen Betrieben nach wie vor unterschätzt wird – auch bei Startups. Viele schrecken zudem vor der Komplexität des Wissensmanagements zurück. Sie wissen also gar nicht, wo sie ansetzen sollen und wie dieses Management des vierten Produktionsfaktors funktionieren kann. Zudem lassen sie sich abschrecken von möglichen Hürden, allen voran die Mitarbeiter selbst. Denn sie sträuben sich häufig dagegen, ihr Wissen preiszugeben. Zu groß ist die Angst, sich dadurch „ersetzbar“ zu machen. Weiterhin braucht es die notwendige Motivation sowie Bereitschaft zum lebenslangen Lernen. Auch das klingt in vielen Ohren erst einmal zu anstrengend. Somit wird der Mitarbeiter einerseits zum Erfolgsfaktor, andererseits aber auch zum größten Hindernis beim Wissensmanagement.

Wie lässt sich das Wissensmanagement umsetzen?

 
Es dürfte also bereits deutlich geworden sein, dass das Wissensmanagement gerade für Startups unverzichtbar ist – aber eben auch, dass es nicht unbedingt ein einfaches Unterfangen darstellt. Das ist jedoch kein Grund, sich davon abhalten zu lassen. Es stellt sich also nicht die Frage nach dem „Ob“, sondern nach dem „Wie“. Die Antwort lautet wie folgt:

  1. Der erste Schritt besteht darin, überhaupt ein Wissensmanagement einführen zu wollen und sich die Wichtigkeit dieses Themas bewusst zu machen.
  2. Anschließend geht es darum, den Wissensbedarf zu definieren, sprich festzulegen, welches Wissen für das Startup essentiell und erfolgskritisch ist.
  3. Im nächsten Schritt muss dieses Wissen beschafft werden. Mit etwas Glück befindet es sich bereits im Unternehmen und muss „nur“ noch dokumentiert werden. Ansonsten gilt es, entsprechende Fachkräfte zu besuchen oder sich das Wissen anderweitig anzueignen – beispielsweise anhand von entsprechenden Weiterbildungen. Es geht also um eine klassische „Make-or-Buy-Decision“.
  4. Natürlich braucht es dann auch die technologischen Grundlagen, um das Wissen zu speichern, zu aktualisieren und zu distribuieren.
  5. Last but not least, spielen wie gesagt die Mitarbeiter eine tragende Rolle, wenn es um den Erfolg oder Misserfolg des Wissensmanagements geht. Motivation ist dabei das Stichwort.

Dennoch bleiben einige Fragen offen, zum Beispiel: Wie können Startups das Wissensmanagement finanziell stemmen? Oder wie lassen sich Mitarbeiter zur aktiven Teilnahme motivieren?

 

Besonderheiten beim Wissensmanagement in Startups

 
Diese und weitere Fragen stellen sich zwar für jedes Unternehmen, jedoch besteht vor allem bei Startups häufig ein Spannungsfeld zwischen den gewünschten Maßnahmen und verfügbaren finanziellen Mitteln. Das Wissensmanagement muss also möglichst kostengünstig umgesetzt werden. Eine beliebte Lösung stellt in diesem Fall die Varianten des E-Learnings dar. Während also beispielsweise das Web Based Training dazu dienen kann, mit vergleichsweise geringen Kosten neues Wissen zu erwerben, kann auf der anderen Seite ein E-Learning-Modul oder die spielerisch gestaltete Gamification die Mitarbeiter motivieren, sich Wissen anzueignen, ihr Wissen zu dokumentieren, es mit den Kollegen beziehungsweise Kolleginnen zu teilen und so weiter… Solche Online-Trainings kommen schon jetzt zum Beispiel bei aktuellen Branchenthemen von zukunftsweisenden Technologienoder für Schulungen im Bereich der Arbeitssicherheit zum Einsatz. Tendenz steigend – denn die Möglichkeiten sind beinahe endlos und die Vorteile digitaler Lösungen im Bereich der Kosten sowie Motivation stellen nicht nur für Startups eine optimale Wahl für ihr Wissensmanagement dar.

Fazit

 
Es ist also durchaus auch für Startups möglich, ein professionelles Wissensmanagement im Unternehmen zu implementieren. Mit der steigenden Bedeutung von Wissen in der Gesellschaft wird dieses Management nämlich zunehmend unverzichtbar und ein erfolgskritischer Faktor für jedes Unternehmen. Niemand sollte deshalb mehr infrage stellen, ob es das Wissensmanagement (auch als Startup schon) braucht. Stattdessen geht es darum, neue Lösungen zu entwickeln, beispielsweise im digitalen Bereich. Sei es das Web Based Training, die Gamification oder eine ganz neue Innovation: Wissensmanagement kann viele Gesichter haben. Die Gestaltungsmöglichkeiten sind also vielfältig. Hauptsache aber, es wird überhaupt im Startup umgesetzt!

 

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